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Exkursion dOKUMENTA (13)


Planerinnen besuchten die dOCUMENTA (13)


Am Freitag, dem 20. Juli 2012 startete eine kleine Gruppe der Planerinnen per Bahn zur d(13). Dieses größte Weltkunst-Ereignis des Jahres sorgte schon in der Vorberichterstattung für Spekulationen und Verunsicherungen, denn die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev (kurz: CCB) wollte nichts weniger, als den menschlichen (und auch männlichen) Allmachtsphantasien bildnerische Artefakte, beispielsweise aus der Natur, gleichwertig entgegensetzen ebenso wie Produkte kognitiver Kreativität jenseits eines engen Kunstbegriffes. Ihre vage Zielsetzung beschrieb CCB als Deanthropoisierung. Hinzu kam ihr feministischer Ansatz als no-concept-concept, da Frauen eher Momente des Zögerns und Zweifelns schaffen würden, als an klaren Thesen und Entwürfen interessiert zu sein. Und ökologisch sollte das Ganze auch noch geraten: der Grüne Punkt förderte den Bau (und die anschließende Umsetzung) von 24 kleinen Holzhäusern in der Karlsaue, die einzelne Künstler oder Gruppen präsentieren. Ein, auch räumlich, schier ausuferndes Unterfangen erwartete also die Planerinnen.


Und so musste sich der eintägige Rundgang zwangsläufig auf die traditionellen Hauptorte der Documenta beschränken. Im Museum Fridericianum war sicherlich die physische Leere im Erdgeschoss beeindruckend, durchweht von einem steten Windhauch – eine von drei Interventionen des britischen Künstlers Ryan Gander – oder das Werk Charlotte Salomons. Die deutsch-jüdische Künstlerin wurde 26-jährig in Auschwitz ermordet, ihre rund 1.300 Gouachen entstanden in nur einem einzigen Jahr, das unausweichliche Schicksal wohl vor Augen.


Einem Streifzug durch die Karlsaue – die Holzhäuschen überzeugten allerdings so gar nicht in ihrem Baumarkt-Charme! – folgte ein Rundgang durch die Orangerie, in weiten Teilen stationäre Sammlung astronomisch-physikalischer Gerätschaften, mit wenigen dazugestellten d(13)-Beiträgen. Eine Führung durch die Documenta-Halle, unter anderem zu Thomas Bayerles Installation aus Motoren und dem collagierten Bild eines Flugzeugs aus Tausenden von Fotografien, sollte die kuratorische Idee, dass ein System mehr ist als die Summe der Einzelteile, von denen allerdings jedes unverzichtbar sei, verdeutlichen. In der Neuen Galerie herrschte danach bereits abendlicher Andrang, vor allem an der langen Arbeit Leaves of Grass des Amerikaners Geoffrey Farmer – Hunderte von akribisch ausgeschnittenen Bildern aus der US-Illustrierten Life, auf Strohhalmen zu einem Gewirr von Schattenspielpuppen arrangiert. Die Zeit reichte nicht mehr für die vielen verstreuten Spielorte in der Kasseler Innenstadt oder das Programm am Hauptbahnhof. Die d(13)-Erkundung musste also individuell, mit einem weiteren Besuch fortgesetzt werden.



Bettina Brosowsky

03/09/2012