Rennelberg
Bettina Maria Brosowsky
- 2 Minuten - 310 WörterDie Planerinnen im Festivalzentrum der Theaterformen
Auf 40 Grad stiegen die Temperaturen am letzten Wochenende im Juni. Dennoch ließen es sich einige Planerinnen nicht nehmen, am Sonntagnachmittag die ehemalige Justizvollzugsanstalt Rennelberg zu besichtigen. Es war der finale Tag des Festivals Theaterformen, das alle zwei Jahre, alternierend mit der der Landeshauptstadt Hannover, zum Spielzeitende am Staatstheater Braunschweig internationale, experimentelle und interdisziplinäre Stücke einlädt. Mitunter werden als Festivalzentrum und Aufführungsstätten besondere Orte gewählt, abseits der festen Theaterhäuser. So mutierte 2021 in Hannover die Raschplatzhochstraße für elf Tage zum autofreien Stadtlabor, 2026 war es dann die ehemalige JVA Rennelberg, die unter dem Motto NO PRISON erstmals für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Die historischen Gefängnisarchitekturen bildeten den Möglichkeitsraum, in dem internationale Künstler:innen ihre Perspektiven auf Ungerechtigkeit und staatliche Gewalt zeigten. Der Ort der Vereinzelung und des Ausschlusses verwandelte sich in einen Raum der Begegnung, in dem Gemeinschaft und Kunst erfahrbar wurden, so die Veranstalter:innen.
Die Justizvollzugsanstalt Rennelberg, 1884/85 auf dem Grundstück eines ehemaligen Klosterkonvents errichtet, wurde 2024 geschlossen. Für rund 145 männliche und weibliche Häftlinge ausgelegt, waren unter dem NS-Regime dort zeitweilig bis zu 400 Menschen inhaftiert, darunter Oppositionelle wie der sozialdemokratische Politiker und mehrmalige Ministerpräsident des Freistaates Braunschweig, Heinrich Jasper (1875–1945, KZ Bergen-Belsen).
Das Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften (NLBL) hat im Herbst 2025 das rund 13.400 m² große Areal mitsamt des im wesentlichen denkmalgeschützten charakteristischen Baubestands in rotem Sichtmauerwerk zum Startgebot von 3,6 Mio. Euro zum Verkauf an einen Investor angeboten. Für ein Nachnutzungskonzept wollen sich das NLBL und die Stadt Braunschweig eng miteinander abstimmen.
Gerade die Geschichte während des NS-Regimes stellt eine große erinnerungskulturelle Herausforderung für eine Nachnutzung und die städtebauliche wie architektonische Neuinterpretation der vormaligen JVA Rennelberg dar. Auf diese Besonderheit des Ortes macht die folgende Online-Petition aufmerksam: https://weact.campact.de/petitions/erhalt-des-historischen-rennelberg-ns-gefangnisses-in-braunschweig.
und bittet weiterhin um Unterstützung. Die Planerinnen Braunschweig schließen sich gerne an.
Links zu den Theaterformen:
https://www.theaterformen.de/presse
https://www.theaterformen.de/news/2026/bilanz-festival-theaterformen-2026


